Agroforstwirtschaft

Wenn man sich durch Brandenburg, aber auch andere ländliche Gebiete Deutschlands bewegt, sieht man überwiegend ausgeräumte Agrarlandschaften. Ökologisch betrachtet sind diese Landschaften mit Wüsten zu vergleichen. Dabei sah unsere Kulturlandschaft nicht immer so aus. 

Was ist Agroforstwirtschaft?

Früher war die Landwirtschaft durch Hecken, Streuobstwiesen und Hutewälder geprägt. Mit der zunehmenden Intensivierung der Agrarproduktion wurde die Landschaft immer weiter gerodet. Das ist angesichts der Klimakrise fatal, denn die Vegetationsdecke hat einen starken Einfluss auf die regionalen Wasserzyklen und Wärmehaushalte. In jüngerer Zeit ist deswegen ein Umdenken bei vielen Landwirt*innen und im öffentlichen Diskurs zu beobachten – eine Rückbesinnung auf vielfältige Gehölzlandschaften.

Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft DeFAF, Mitglied des NetzwerkWasserAgri, bezeichnet Agroforstwirtschaft als Landnutzungssysteme, bei denen Gehölze (Bäume oder Sträucher) mit Ackerkulturen und/oder Tierhaltung so auf einer Fläche kombiniert werden, dass zwischen den verschiedenen Komponenten ökologische und ökonomische Vorteilswirkungen entstehen. Typisch für alle Arten der Agroforstwirtschaft sind bewusst genutzte Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen (nach Nair, 1993). Üblicherweise wird bei Agroforstsystemen unterschieden zwischen der Kombination von Bäumen mit Ackerkulturen (silvoarable Systeme), Bäumen mit Tierhaltung (silvopastorale Systeme) und Bäumen mit Ackerkulturen und Tierhaltung (agrosilvopastorale Systeme).

Agroforstsysteme vereinen die strukturreiche Gehölzlandschaft mit all ihren ökologischen Vorteilen mit der Agrarproduktion, potenziell auch im großen Stil. Sie zeigen eine gute ökonomische Produktivität und Mehrerträge auf Flächen mit Hitze- und Verdunstungsstress. Zudem können Agroforste ein Baustein im Strauß der Maßnahmen zu besserer Wasserretention in der Landbewirtschaftung sein – denn lichte Gehölzlandschaften vereinen Landschaftskühlung, Dürreprävention und Starkniederschlagsschutz.

Agroforst und Wasserretention

Die zunehmend beobachteten Extremwetter mit langen Dürreperioden und kurzen Starkregenereignissen sind eine Folge des Klimawandels, aber ebenfalls des Verlusts an Vegetation in den letzten Jahrhunderten. Sie stehen also auch in Zusammenhang mit Änderungen der Landnutzung. Denn Pflanzen tragen entscheidend zur Kühlung unseres Planten bei, indem sie Sonnenenergie nutzen, um das über die Wurzeln aufgenommene Wasser durch die Verdunstung über ihre Blätter zu transpirieren. Ein Baum kann an einem heißen Tag mehrere hundert Liter Wasser über die Spaltöffnungen seiner Blätter abgeben. Diese sorgt bodennah für Verdunstungskühlung. In höheren Lagen sind diese Verdunstungsprozesse für die Entstehung von Niederschlägen verantwortlich. Trifft Sonnenlicht auf unbewachsene Flächen, etwa brachliegenden Acker, so heizt sich der Boden auf, die Wärme wird in die Atmosphäre abgestrahlt. Es findet keine lokale Wolkenbildung und Wiederabregnung statt. Abholzung, Versiegelung und veränderte Landnutzung können sich daher störend auf die Wasserkreisläufe auswirken.

Agroforste hingegen sind kühlende Strukturen, auch weil die Rauigkeit der Landschaft erhöhen. Der Wechsel zwischen Gehölzen und Offenflächen verwirbelt die Luft und bremst den Wind. Verdunsten die Pflanzen Wasser, kann die kühlere Luft weniger Sättigung erreichen, sodass es früher regnet. Die Niederschläge werden zudem räumlich besser verteilt. Eine Agrarlandschaft mit Hecken und Gehölzen fördert also die Wolkenbildung und die Wiederbegegnung und verringert gleichzeitig den Verdunstungsstress. Zudem sind Gehölzlandschaften auch für die Grundwasserneubildung wertvoll. Die Kronen der lichten Gehölzlandschaft halten zwar einen Teil des Niederschlags zurück, aber ihr Boden kann sich wie ein Schwamm vollsaugen, da er gut durchwurzelt und porig ist.

Vortrag von Forstwissenschaftler Philipp Gerhard

In einer Online-Veranstaltung des NetzwerkWasserAgri im Februar 2022 sprach Philipp Gerhard über Hochwasser und Dürreschutz mit Keyline Design. In der ersten Hälfte des Vortrags wird der Einfluss von Gehölzkulturen auf Dürre und Starkregen anschaulich erklärt.

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